Aalhof Götting

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Aalbesatzaktionen 2012

Son.07.2012, 12:14 von admin

Über 7 Tonnen Jungaale in verschiedene Gewässer eingesetzt

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600 Kilo Jungaale für Weser und Aller

Von Ralf Michel
Der europäische Aal gilt als gefährdete Fischart. Ein Problem, das die Europäische Union in der ihr eigenen Gründlichkeit angeht. Es gibt eine EU-Aal-Verordnung, Aal-Managementpläne aller Mitgliedstaaten, und natürlich hat der Aal längst Einzug gehalten in die EU-Artenschutzverordnung. Am Ende aber bedeuten Erhaltung und Vermehrung des Aalbestandes ganz einfach nur viel Arbeit. Erledigt wird sie vor allem durch Anglervereine. Am Mittwoch trafen sich Vertreter der hiesigen Vereine an der Weserbrücke in Uesen, um 600 Kilo Jungaale in Weser, Aller und Eyter auszusetzen.

 

Achim. Gut 30 Männer und Frauen haben sich unter der Weserbrücke versammelt. Wannen, Bottiche und Eimer stehen bereit. Es ist kühl für einen Abend Mitte Juni. "Gerade richtig", freut sich Wolfgang Kracht und erinnert an die Hitze bei der Verteilung im vergangenen Jahr. Die sei gar nicht gut für die Aale gewesen, erklärt der 1. Vorsitzende des Vereins der Sportfischer Verden. Schließlich müssten sie von Uesen aus erst noch zu all den Stellen gefahren werden, wo die Anglervereine sie aussetzen. Acht Vereine gehören zu der Pachtgemeinschaft "Weser IV", die von Dörverden bis Hemelingen reicht. "Das muss dann schon möglichst fix gehen", sagt Kracht mit Blick auf Wasser und Sauerstoff in den Transportbehältern für die Aale.

In diesem Moment fährt Gerhard Götting mit einem großen Anhänger vor. Auf seinem Aalhof wurden die Glasaale – so werden die jungen, zehn bis zwölf Gramm schweren Aale genannt – gezüchtet. Ein paar schnelle Handgriffe am Anhänger, eine Waage wird in Position gebracht, mit einem Schlauch Wasser in die mitgebrachten Behälter gepumpt. "Aber nur ein bisschen Feuchtigkeit", sagt Götting. "Erst die Aale, dann das Wasser."

Aale für 24000 Euro

Die Pachtgemeinschaft "Weser IV" ist in drei Zonen unterteilt – Verden, Achim, Bremen. Entsprechend bekommt jede Zone ein Drittel der Aale, die ausgesetzt werden sollen, also jeweils 200 Kilo. Götting greift nach einem dickeren Schlauch und schon flutscht ein zappelndes, glitschiges Knäuel grau-schwarzer, etwa 10 bis 15 Zentimeter langer Aale in eine dafür bereit gestellte Wanne der Verdener. Die wird anschließend in einen größeren Transportbehälter umgefüllt. Allerdings nicht ohne zuvor gewogen zu werden. 17 bis 20 Kilo pro Bottich, bis die 200 Kilo für Verden voll sind, dann ist Achim dran.

Etwa 24000 Euro kosten die Aale, die eingesetzt werden, erklärt der Vorsitzende der Achimer Angler, Uwe Roll. 40 Prozent davon zahlt die EU, den Rest bringen die Anglervereine selbst auf. Zum zweiten Mal hat sich die Pachtgemeinschaft erfolgreich um den EU-Zuschuss beworben. Dafür musste eine ganze Reihe von Nachweisen erbracht werden, so vor allem, dass gewährleistet ist, dass 40 Prozent der Aale später abwandern können, um zu laichen. Wie Lachse zieht es Aale zu ihrem Geburtsort zurück, in diesem Fall die Sargassosee im südwestlichen Nordatlantik, in der Nähe der Bahamas. 5000 bis 6000 Kilometer legen die Tiere zurück, um dort zu laichen, erklärt Roll. Mit Hilfe des Golfstromes kommen die jungen Glasaale in einer drei Jahre dauernden Wanderung zurück an die europäischen Küsten und steigen von dort in die Fließgewässer auf.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Vorher gilt es für die Aale eine Vielzahl von Gefahren zu überstehen, wie etwa hungrige Hechte, Welse oder auch Kormorane. "Die Masse landet im Magen", formuliert es Roll, der schätzt, dass es nur etwa 10 bis 15 Prozent der ausgesetzten Jungaale bis ins laichfähige Alter schaffen.

Für einige wird es schon in Uesen eng. Beim Umkippen von einem zum anderen Behälter flutschen sie über den Rand und landen in den kleinen Pfützen, die sich inzwischen überall gebildet haben. Jeder Versuch, sie mit der Hand einzufangen, ist zum Scheitern verurteilt – der Beobachter beginnt den Ursprung des Wortes "aalglatt" zu begreifen. Ein kleiner Kescher erweist sich als ebenso nützlich für die Angler wie überlebenswichtig für die Aale.

Für den Achimer Verein lässt Gewässerwart Bernd Stöver die ersten Aale gleich an Ort und Stelle im Ueser Hafenbecken ins Wasser. "Hier haben sie erstmal einen kleinen Augenblick Ruhe. Für sie ist das ja auch erstmal eine völlig neue Umgebung", erklärt Stöver. Zudem würden in der Weser viel mehr Raubfische lauern.

Ärger über Berufsfischer

Eine knappe Dreiviertelstunde, dann sind die 600 Kilo Jungaale verteilt. "Eine wirklich gute Sache", freut sich Uwe Roll darüber, dass sich auch die hiesigen Angler so aktiv am Wiederaufbau der Aalbestände beteiligen. Eines allerdings trübt für ihn die positive Bilanz. Zur Pachtgemeinschaft gehört auch ein Berufsfischer, und der allein fische mit seinen Reusen und Netzen mehr Aale als alle anderen 5500 Angler zusammen und halte sich auch nicht an das Fangverbot von Anfang Oktober bis Ende März, das sich die Angler selbst auferlegt haben. Unterbinden könne man das nicht, auch Kompromisse seien nicht möglich. "Der verdient damit sein Geld. Ende der Diskussion!", bringt Roll die Angelegenheit auf den Punkt. Und schiebt verärgert nach: "Wir alle bemühen uns, es fließen sogar EU-Mittel, und einer verdient sich damit eine goldene Nase."

 

So berichtet der Weserkurier am 22.06.2012 von einer der auch in diesem Jahr zahlreich durchgeführten Besatzaktionen. So wie hier in Weser und Aller haben wir in enger Zusammenarbeit mit Fischereivereinen und -verbänden außerdem noch in einigen weiteren Gebieten vorgestreckte Jungaale aus unserer kontrollierten Aufzucht ausgesetzt. So beispielsweise auch in die Hunte, die Elbe, den Main oder auch die Regnitz.

Insgesamt sind so weit über 650.000 Aalsetzlinge in die Flüsse gelangt und haben nun die Möglichkeit heranzuwachsen, bevor sie anschließend in ihr Laichgebiet zurückkehren können. Vielleicht werden nicht alle dieses Ziel erreichen, dennoch liegt die Zukunft des Europäischen Aals im Besatz!

Er ist ebenfalls wichtiger Bestandteil der Arbeit der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals (aal-initiative.org)!

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